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Raiffeisen verkauft Privatbank Notenstein La Roche an Vontobel

24.05.2018 | 16:14

(Zusammenfassung)

Zürich (awp) - In der Schweizer Vermögensverwaltungsbranche kommt es zu einer weiteren Bereinigung. Die Raiffeisen-Gruppe verkauft ihre Privatbank Notenstein La Roche für 700 Millionen Franken an die Bank Vontobel. Für die Genossenschaftsbank hat die in der Ära des früheren Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz übernommene Privatbank die Erwartungen nie erfüllt. Vontobel kann dagegen mit seinem Vermögensverwaltungseschäft einen deutlichen Schritt vorwärts machen.

Raiffeisen richte ihr Anlagekundengeschäft neu aus und werde sich künftig auf Privatkunden mit kleinen und mittelgrossen Vermögen konzentrieren, führte Raiffeisen-Chef Patrik Gisel am Donnerstag vor den Medien in Zürich aus. Er bestätigte, dass die Ambition der Gruppe im Private Banking nicht erfüllt wurden: Insbesondere sei auch die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Raiffeisen-Banken und Notenstein "nie richtig ins Laufen gekommen".

Gewinn erzielen

Raiffeisen hatte Anfang 2012 unter dem damaligen Chef Pierin Vincenz, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, grosse Teile der damals wegen des US-Steuerstreits in Schieflage geratenen Privatbank Wegelin übernommen und in Notenstein umbenannt. 2015 wurde die Basler Privatbank La Roche erworben und in Notenstein integriert. Einen Zusammenhang des jetzigen Verkaufs mit den Abklärungen über die Vincenz-Ära gebe es nicht, betonte Gisel vor den Medien.

Aus dem Verkauf werde Raiffeisen einen Gewinn erzielen, versicherte Gisel. Es werde zudem regulatorisches Kapital freigesetzt, das Raiffeisen für weiteres Wachstum im Kerngeschäft einsetzen könne. Die Notenstein La Roche habe nie Verluste geschrieben, auch wenn die Gewinne der Privatbank nicht zufriedenstellend ausgefallen seien, betonte er.

Bedeutender Schritt

Für die Bank Vontobel sei die Übernahme von Notenstein La Roche ein "sehr bedeutender Schritt" in ihrer Entwicklung, sagte Vontobel-Chef Zeno Staub am Donnerstag. Notenstein La Roche weist betreute Kundenvermögen - einschliesslich Geldern von externen Vermögensverwaltern - von 16,8 Milliarden Franken auf. Vontobel kann mit der Übernahme die betreuten Kundenvermögen in der Vermögensverwaltung für Reiche um 30 Prozent auf 72,6 Milliarden ausbauen.

Die Zürcher Privatbank erwartet aus dem Verkauf klare Synergien, auch wenn Staub bezüglich eines allfälligen Stellenabbaus vage blieb. Notenstein La Roche beschäftigt heute an 13 Standorten in der Schweiz über rund 330 Angestellte, davon 106 Kundenberater. An insgesamt sechs Standorten gibt es Überschneidungen mit der Vermögensverwaltung von Vontobel - dabei sind Zusammenlegungen der Standorte vorgesehen. Die Marke Notenstein La Roche dürfte nach dem Verkauf verschwinden - Vontobel fahre eine "Ein-Marken-Strategie", sagte Staub.

Vontobel nimmt Kapital auf

Der Kaufpreis von rund 700 Millionen Franken berechnet sich laut den Angaben aus dem Eigenkapital und einem Goodwill-Faktor von 1,78 Prozent der verwalteten Vermögen. Die Übernahme soll rasch vonstatten gehen: Der Vollzug ist für den Juli vorgesehen, im Anschluss soll Notenstein La Roche in die Vontobel integriert werden. Unter Nutzung vorhandener Synergien rechnet die Zürcher Privatbank bereits 2019 mit einem "wesentlichen Gewinnbeitrag" für Vontobel-Vermögensverwaltung.

Finanziert wird die Übernahme durch vorhandene Eigenmittel sowie durch die Aufnahme von Kapital in Form einer additionalen Tier-1-Anleihe (AT1). Die Anleihe über 350 bis 450 Millionen Franken soll im Juni emittiert werden. Die Gesamtkapitalquote wird einschliesslich der "AT1-Anleihe" von heute 18,4 Prozent auf etwa 17,7 Prozent zurückgehen. Für die Vontobel-Aktionäre soll keine Verwässerung resultieren.

Am Aktienmarkt wurden die Neuigkeiten freundlich aufgenommen. Die Übernahme stärke Vontobel im Heimmarkt, zudem sei der Kaufpreis "vernünftig", meinte etwa der Baader Helvea-Analyst. Die Vontobel-Aktie notierte gegen 15.05 Uhr in einem leicht tieferen Gesamtmarkt um 1,9% im Plus.

tp/jb


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