Devisen: Euro gibt nach - Türkische Lira im Sinkflug

26.10.2020 | 12:39

FRANKFURT (awp international) - Der Euro hat die neue Woche mit Kursverlusten begonnen. Am Montagmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1825 US-Dollar, nachdem sie zuvor bis auf 1,1803 Dollar gefallen war. Sie kostete damit etwas weniger als am Morgen.

Zum Franken geht der Euro mit 1,0718 wenig verändert um, während der Dollar zum Franken auf 0,9064 leicht zulegen kann.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte in der vergangenen Woche wieder etwas stärker zulasten der eigenen Währung interveniert haben. Die Sichtguthaben stiegen per 23. Oktober um 1,8 Milliarden auf 706,9 Milliarden Franken, wie die SNB am Montag mitteilte. Damit haben sie erstmals seit August wieder deutlicher zugenommen. Die Entwicklung der Sichtguthaben gilt als Indiz dafür, ob die SNB am Devisenmarkt interveniert, um den Franken zu schwächen.

Zu Wochenbeginn tendierte der Dollar zu vielen Währungen stärker und setzte damit auch den Euro etwas unter Druck. Die amerikanische Währung bleibt gefragt, weil die Unsicherheit an den Finanzmärkten hoch ist. Dazu tragen steigende Corona-Neuinfektionen in Europa und die sich hinziehenden Verhandlungen über ein US-Konjunkturpaket bei. Der Dollar gilt als weltweite Reservewährung, die in ungewissen Zeiten gesucht wird.

Keine Unterstützung bot dem Euro das Ifo-Geschäftsklima. Das wichtige wirtschaftliche Stimmungsbarometer trübte sich im Oktober erstmals seit einem halben Jahr ein. Analysten nannten die angespannte Corona-Lage in Europa als Hauptgrund. Die wirtschaftlichen Aussichten verdüstern sich dementsprechend.

Die türkische Lira setzt unterdessen ihren Sinkflug unvermindert fort. Am Montag fiel sie zu Dollar und Euro auf historische Tiefstände. Im Gegenzug mussten erstmals mehr als 8 Lira für einen Dollar und mehr als 9,5 Lira für einen Euro gezahlt werden.

Beobachter begründen die Lira-Schwäche zum einen mit wirtschaftlichen Faktoren wie der hohen Inflation im Land und den konjunkturellen Belastungen durch die Corona-Krise. Hinzu kommen politische Faktoren wie die zahlreichen militärischen Engagements der Türkei in der Region, etwa in Syrien, dem Irak oder Libyen.

Die türkische Notenbank versucht zwar, sich gegen die Lira-Schwäche mit Zinsanhebungen und liquiditätsbegrenzenden Massnahmen zu stemmen. Ihre politische Unabhängigkeit gilt aber angesichts verbaler Interventionen von Staatschef Recep Tayyip Erdogan als eingeschränkt.

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