Airbus stellt Produktion von weltgrösstem Passagierjet A380 ein

14.02.2019 | 16:42

(2. Zusammenfassung; mit Ruag-Stellungnahme nach dem zweiten Zwischentitel ergänzt)

Toulouse (awp/sda/dpa/ap/reu) - Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus stellt die Produktion des weltgrössten Passagierjets A380 ein. Nachdem die arabische Fluggesellschaft Emirates ihre Bestellung reduziert habe, gebe es keine Grundlage mehr für eine Fortsetzung der Produktion. Vom Entscheid betroffen ist auch der Schweizer Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag am Standort Emmen.

Die letzte Auslieferung für den A380 sei für 2021 geplant, teilte Airbus am Donnerstag in Toulouse mit. Die vierstrahligen Jets sind seit 2008 im Einsatz.

Emirates ist der grösste A380-Kunde. Die Fluggesellschaft habe beschlossen, die A380-Bestellungen von 162 auf 123 Maschinen zu reduzieren. Dabei würden in den kommenden zwei Jahren noch 14 verbleibende A380 in Empfang genommen. Als Konsequenz werde Airbus seine Auslieferungen 2021 einstellen, teilte das Unternehmen mit.

Kaum mehr Aufträge

Der Passagierjet hat dem Unternehmen schon länger grosse Sorgen bereitet. In den vergangenen Jahren hatte kaum noch eine Fluglinie ein Modell geordert. Airbus drohten die Bestellungen auszugehen. Der Konzern fuhr die Jahresproduktion zuletzt von zeitweise bis zu 30 Maschinen auf nur noch sechs Exemplare zurück.

Infolge der Entscheidung von Emirates gebe es keinen nennenswerten Auftragsbestand mehr und damit keine Grundlage für eine Fortsetzung der Produktion, sagte Konzernchef Tom Enders laut Mitteilung.

Airbus werde in den nächsten Wochen Gespräche mit den Sozialpartnern bezüglich der 3'000 bis 3'500 Stellen aufnehmen, die in den kommenden drei Jahren betroffen sein könnten. Es werde aber zahlreiche Möglichkeiten für interne Stellenwechsel geben.

Auch Ruag an Produktion beteiligt

Teile des Luftgiganten werden an mehreren Airbus-Standorten in Europa gefertigt. Wegen der Auftragsflaute beim A380 stehen in Deutschland bereits Tausende Jobs auf der Kippe. Auch der Schweizer Konzern Ruag fertigt Bauteile am Standort Emmen der Tochter Aerostructures.

Dabei handelt es sich um Teile wie das Flügelende und um einen 14 Meter langen Aluminium-Träger, der im Flügel selber verbaut wird, wie die Ruag in einer Stellungnahme schrieb. Das Geschäft mache rund 2 Prozent am Umsatz von Ruag Aerostructures aus, was auf Basis der Zahlen des Jahres 2017 einem Betrag von rund 6 Millionen Franken entspricht.

Wie sich der Entscheid von Airbus auf die Ruag auswirken könnte, sei zu diesem frühen Zeitpunkt noch kaum abschätzbar. Doch hält die Ruag fest, dass die mit den A380-Arbeiten beschäftigten Mitarbeitenden auch andere Aufträge erledigten; für Airbus etwa für die Modelle A320, A330 und A340.

Für den A320 hatte Ruag von Airbus grössere Bestellungen erhalten und baut daher die Produktion insbesondere an den Standorten Oberpfaffenhofen in der Nähe Münchens und im ungarischen Eger aus. Unter dem Strich dürften die Umsätze daher nicht zurückgehen, hiess es.

Bis zu 853 Passagiere

Seinen Jungfernflug hatte der A380, der mit bis zu 853 Sitzen ausgestattet werden kann, im April 2005 - von Airbus angepriesen als die "Zukunft des Langstrecken-Reisens". Von Beginn an machte der Superjumbo aber mit einer Pannenserie Schlagzeilen, viele Auslieferungen verzögerten sich.

Die Chefs von Emirates und Lufthansa, die zu den insgesamt 14 Fluggesellschaften mit A380-Maschinen in der Flotte zählen, machten nun deutlich, dass der Riesenflieger zwar hoch angesehen ist, sich aber nur als Nischenprodukt rentiert.

"Der Airbus A380 ist ein faszinierendes und in vielerlei Hinsicht herausragendes Flugzeug", sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Es hat sich allerdings gezeigt, dass ein profitabler Einsatz der A380 nur auf den extrem nachgefragten Strecken möglich ist." Emirates-Chef Ahmed bin Saeed al-Maktoum äusserte Bedauern darüber, dass er den Grossauftrag kürzen musste.

Auch die australische Fluggesellschaft Qantas hatte zuletzt die Bestellung von acht A380 zurückgezogen. Und der Chef der arabischen Fluggesellschaft Qatar Airways, Akbar Al-Baker, erklärte, er wäre über eine vorzeitige Einstellung der Produktion nicht traurig. Nach Al-Bakers Auffassung ist der Flieger zu schwer, weil seine Tragflächen für die nie gebaute Langversion ausgelegt sind.

Schwerer Schlag

Die Entscheidung ist ein schwerer Schlag für Airbus, dürfte aber ein Segen für den US-Rivalen Boeing sein. So hatte der grösste europäische Flugzeugbauer darauf gehofft, die Boeing-Maschinen der Reihe 747 mit den A380-Passagierjets ausstechen und den Flugverkehr in Zeiten eines Anstiegs bei Fluggästen revolutionieren zu können. Stattdessen hielten sich Fluglinien mit Aufträgen für die riesigen Maschinen zurück, deren Grösse neue Landebahnen und umgebaute Terminals an Flughäfen erforderten.

Airbus hatte mit der A380 nach der Jahrtausendwende darauf gebaut, dass mit den weltweit steigenden Passagierzahlen auch immer grössere Flugzeuge benötigt werden. Vielen Airlines ist der Riesenjet inzwischen zu gross und verbraucht zu viel Treibstoff. Das ist nicht wirtschaftlich, besonders wenn der Gigant nicht voll besetzt ist.

Der Superjet hat eine Reichweite von 15'200 Kilometern und ist gut 72 Meter lang. Seine Flügelspannweite liegt bei knapp 80 Metern.

Wegen der Grösse setzen die meisten Airlines lieber auf mittelgrosse Grossraumjets, die im Gegensatz zur A380 und Boeings Jumbo-Jet 747-8 mit nur zwei Triebwerken auskommen. Solche Jets wie die Boeing 787 "Dreamliner" und der Airbus 350 lassen sich auch auf weniger stark gefragten Strecken rentabel einsetzen.

Gewinn deutlich gestiegen

Trotz der Belastungen durch das A380-Aus und Sonderkosten für den Militärtransporter A400M von zusammen rund 900 Millionen Euro erzielte Airbus 2018 einen deutlichen Gewinnsprung. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 3,05 Milliarden Euro und damit 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz legte um acht Prozent auf 63,7 Milliarden Euro zu.

Allerdings kassierte Airbus eine Abbestellung auch für seinen jüngsten Langstreckenjet A350. Die arabische Fluggesellschaft Etihad stornierte eine Order über 42 Exemplare. Dennoch will Airbus seinen bereinigten operativen Gewinn 2019 um etwa 15 Prozent steigern. Dazu will der Konzern 880 bis 890 Verkehrsflugzeuge ausliefern.

jb/tt/mk/rw


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