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Emmi-CEO erwartet auch im 2022 starken Preisdruck

30.11.2021 | 20:20

Emmen (awp) - Der bald von der Konzernspitze von Emmi abtretende CEO Urs Riedener sieht sein Unternehmen auch 2022 mit grossem Kostendruck konfrontiert. Die Kosten für Futtermittel, Logistik, Verpackungsmaterialien und Energie hätten allesamt deutlich zugenommen. "Selbst ein neues Holzpalett ist rund 40 Prozent teurer geworden", sagt er in einem Interview mit der "Finanz und Wirtschaft".

Zudem stünden diverse Zutaten unter starkem Inflationsdruck. Allen voran Kaffee, wo die Preise gegenüber dem langjährigen Schnitt bis zu 50 Prozent zugenommen hätten. "Auch wir werden den Preisdruck rein betriebswirtschaftlich weitergeben müssen." Dies erfordere harte Verhandlungen. Derzeit würden sich vor allem die Verhandlungen in den deutschsprachigen Ländern schwieriger gestalten.

Noch nicht überall auf Vorkrisenniveau

Die Corona-Erholung habe sich nahe an den Erwartungen von Emmi entwickelt. Der Einkaufstourismus sei beispielsweise schnell zurückgekommen. Aber nicht überall laufe das Geschäft wieder normal. "In der Gastronomie sind wir zwischen 80 und 90 Prozent des Vorkrisenniveaus."

Doch Emmi werde seine Umsatz- und Margenziele in diesem Jahr und auch Mittelfristig erreichen, gab sich Riederer überzeugt.

Americas wird grösste Division

Aktuell sei die Schweiz in Bezug auf den Gesamtumsatz etwa dreimal so gross wie die USA. Und so schnell werde sich diese Reihenfolge auch nicht ändern. Man wolle auch nicht zu viel Gewicht in einem Land konzentrieren. "Aber Americas wird in den nächsten Jahren zur grössten Division noch vor der Schweiz", so Riedener.

Er verwies auch auf die beiden Grossübernahmen in den USA. "Mit dem Kauf des Dessertgeschäfts letztes Jahr in den USA machen wir auch in dieser Nischen den Sprung aus Europa heraus." Auch die Übernahme des amerikanischen Feta-Herstellers Athenos vom September passe gut zu Emmi. Viele Bereiche, in denen Emmi bereits stark sei, könnten so noch gestärkt werden.

Weitere Übernahmen würden angepeilt. Dabei will das Unternehmen allerdings vor allem in bestehenden Märkten ausbauen. "Die Erschliessung neuer Länder ist eher sekundär, da dies die Komplexität des Unternehmens zusätzlich erhöht."

"Sprechen weniger über Nachhaltigkeit als andere"

Um die Nachhaltigkeit des Konzerns zu verbessern, hat Emmi verschiedene Massnahmen eingeleitet, etwa um den CO2-Ausstoss zu senken, das Tierwohl zu verbessern und die Mitarbeitenden weiterzuentwickeln. "Wir sprechen nicht so viel darüber wie andere. Aber wir leisten gutschweizerische Arbeit", so Riederer.

Um die Nachhaltigkeitsbestrebungen sichtbarer zu machen, würde Riederer eine Vereinheitlichung der Ratings begrüssen. Wichtiger als Ratings sind für ihn "wissenschaftlich basierte Ziele, die Materialität unserer Massnahmen und die Umsetzung konkreter Projekte".

Das gesteigerte Bedürfnis nach Nachhaltigkeit zeigt sich auch bei den Produkten. Milchalternativen machen laut Riederer derzeit etwa 3 Prozent des Umsatzes im Schweizer Markt aus und würden schnell wachsen. Es sei eine interessante Nische, aber auch andere Produktkategorien wüchsen etwa in gleichem Ausmass. "Bei Desserts, Spezialitätenkäse oder Proteindrinks sehen wir in einigen Märkten Jahr für Jahr ebenfalls ein zweistelliges Wachstum."

Angebotsengpässe bei der Hafermilch, wie sie andere Anbieter beklagten, habe man nicht erlebt. "Wir verwenden Schweizer Hafer, was die Versorgungssicherheit erhöht."

Nachfolger muss vom Fach sein

Riederer wird nach seinem Ausscheiden als Konzernchef Ende 2022 bei Emmi das Präsidium des Verwaltungsrates übernehmen. Ob er dann - anders als jetzt - Aktien des Unternehmens halten wird, liess er offen. "Ich habe immer gesagt, wenn man mir Aktien zuteilt, habe ich nichts dagegen. Ich lege aber persönlich keinen Wert darauf."

Ob seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger aus dem Konzern komme oder von extern, sei völlig offen. Man habe ein starkes Konzernleitungsteam, aber auch für Kandidaturen von aussen sei man offen. "Schwierig ist es für jemanden, der geografisch oder vom Branchen-Fachwissen her völlig fremd ist", so Riederer.

tv/rw


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