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Streit mit der EU bessert künftig Ergebnis der Schweizer Börse auf

21.08.2019 | 12:31

Zürich (awp) - Nebst allem Ärger, den der Streit mit der EU der Börsenbetreiberin SIX beschert, hat die fehlende Börsenäquivalenz auch sein Gutes. Mithilfe eines Tricks des Bundesrats wird an der hiesigen Börse mehr gehandelt, was einen Extra-Gewinn beschert.

Nach dem Verlust der Börsenanerkennung durch die EU greift seit Anfang Juli der Plan B des Bundesrats. SIX-Finanzchef Daniel Schmucki rechnet für das zweite Halbjahr mit einem positiven Effekt im einstelligen Millionenbereich.

Es sei vielleicht noch etwas früh, aber bislang seien hohe Volumina und ein hoher Marktanteil zu beobachten gewesen, sagte er der Nachrichtenagentur AWP. Das werde sich im Betriebsertrag der Gruppe widerspiegeln, was direkten Einfluss auf das Ergebnis habe.

___ Schweizer Börse als Faustpfand

Tatsächlich stiegt das Handelsvolumen im Juli 2019 - dem ersten Monat seit dem Handelsverbot für Schweizer Aktien an EU-Handelsplätzen - an der SIX im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel auf 138,1 Milliarden Franken. Im Vergleich zum Vormonat Juni waren es über ein Viertel mehr.

Dazu muss man wissen: Die Schweizer Börse ist zwischen die Fronten der Schweiz und der EU um ein institutionelles Rahmenabkommen geraten. Die EU liess die Gleichwertigkeitsanerkennung der Schweizer Börse (so genannte Börsenäquivalenz) Ende Juni auslaufen. Diese braucht sie nur, wenn Schweizer Aktien regelmässig in der EU gehandelt werden.

Der Bundesrat konterte den Schritt von Brüssel mit der Bewilligungspflicht für ausländische Handelsplätze. Damit ist es Händlern in der EU verboten, Schweizer Aktien an den dortigen Börsen zu kaufen oder verkaufen. Sie müssen nun über die Schweizer Börse ihre Wertpapiere handeln.

Die Verlagerung der Handelsvolumen von Schweizer Aktien auf die SIX sei "reibungslos" erfolgt, hiess es am Mittwoch.

___ Kauf einer EU-Börse

Wegen der fehlenden Anerkennung durch die EU wird auch spekuliert, ob sich die SIX auf anderen Wegen Zugang zum EU-Markt verschaffen könnte. "Von vielen Optionen könnte es theoretisch eine sein", sagte Schmucki auf die Frage, ob es sinnvoll wäre, die Zusammenarbeit mit einer EU-Börse zu prüfen. Allerdings nur, wenn sich die Situation im Zusammenhang mit dem Marktzugang zur EU verschlechtern würde. Dafür gebe es aber derzeit keine Hinweise.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte in der vergangenen Woche unter Berufung auf gut informierte Kreise geschrieben, dass die SIX den Kauf einer Börse in der EU erwäge, sollte sich der Verlust der Börsenanerkennung länger hinziehen. Mögliche Ziele seien die Wiener Börse oder die spanische BME.

Ein Sprecher der SIX hatte die Gerüchte dementiert. Es gebe "keinen Bedarf", um im Bereich der Börsen zuzukaufen, hiess es.

___ Preissenkungen und Investitionen belasten

Die Geschäftseinheit "Securities & Exchanges" der SIX, zu dem die Börse gehört, erzielte im ersten Semester 2019 derweil einen so genannten Gewinnbeitrag (Ertrag abzüglich direkt beeinflussbarer Kosten) von 81,4 Millionen Franken.

Insgesamt ist die Gruppe nach dem Verkauf des Kartengeschäfts an die französische Worldline im vergangenen Jahr deutlich geschrumpft. Der Umsatz hat sich im ersten Halbjahr 2019 praktisch halbiert, nachdem im Rekordjahr 2018 erstmals die Marke von 1 Milliarde Franken geknackt worden war.

Das operative Ergebnis ging derweil auch bereinigt markant zurück. Preissenkungen, Investitionen in neue Bereiche und Produkte sowie regulatorische Kosten drückten auf das Ergebnis. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von lediglich 32,4 Millionen.

2018 war unter dem neuen Konzernchef Jos Dijsselhof die bisherige Organisation der SIX vereinfacht und das Geschäft inhaltlich gestrafft worden. Die Gruppe will künftig immer mehr Dienstleistungen für die Banken übernehmen. Die Investitionen fliessen unter anderem in eine neu geschaffene Innovationssparte, und diese dürfte erst ab 2020 Erträge abwerfen.

Die SIX ist 2008 aus den drei Schweizer Unternehmen SWX, Telekurs und SIS hervorgegangen. Die Aktionäre sind rund 120 Finanzinstitute, die gleichzeitig Hauptnutzer der Dienstleistungen sind. Die Grossbanken UBS und Credit Suisse halten gemeinsam mit 32,3 Prozent knapp ein Drittel.

ys/jb/rw



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