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Über ein Drittel der Maschinenindustriefirmen befürchtet Verlust

26.05.2020 | 12:24

Zürich (awp) - Die Coronakrise stürzt viele Firmen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Branche) ins Elend. Fast 40 Prozent der Unternehmen dürften heuer in die roten Zahlen rutschen. Eine Pleite- und Entlassungswelle ist in nächster Zeit dennoch nicht in Sicht.

Konkret befürchten 38 Prozent der Unternehmen im laufenden Jahr einen Betriebsverlust, wie der Branchenverband Swissmem am Dienstag in einem Communiqué mitteilte. Das sind mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

"Weitere 34 Prozent der Betriebe erwarten eine Betriebsgewinnmarge (EBIT) zwischen null und fünf Prozent", schrieb Swissmem weiter. Dieser unbefriedigende Wert verunmögliche es diesen Firmen, in die Zukunft zu investieren. "Somit befinden sich 72 Prozent der MEM-Unternehmen in einer kurz- und mittelfristig existenzbedrohenden Situation."

Nur noch 17 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer sehr guten Marge, wie aus der im April durchgeführten Swissmem-Umfrage bei seinen Mitgliedern hervorging. Das ist nicht einmal die Hälfte des Vorjahres. Unter der Krise würden vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) signifikant stärker leiden, sagte Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher: "Das ist bedrohlich."

___ 95 Prozent erwarten Umsatzrückgang

Die negativen Auswirkungen der Coronapandemie würden die MEM-Branche erst im zweiten und dritten Quartal voll treffen. Fast die Hälfte der MEM-Firmen hätten wegen behördlichen Schliessungen Stornierungen von Aufträgen hinnehmen müssen. "Diese Umsätze und damit auch die dazugehörenden Margen werden in den kommenden Monaten wegfallen", schrieb Swissmem weiter.

95 Prozent der Firmen rechnen mit einem Umsatzrückgang durch die Coronakrise. Bei einem Drittel beträgt der Taucher gar mehr als 20 Prozent. "Das ist enorm", sagte Brupbacher. Die Kapazitätsauslastung fiel im April auf unter 81 Prozent von über 90 Prozent im Vorjahr. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 86,4 Prozent.

Noch viel besorgniserregender sei der Stand des Einkaufsmanagerindex PMI, der im April fast weltweit auf den tiefsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 gefallen sei. "Damit werden nun auch die Auftragseingänge wegbrechen", erklärte der Verband. Gerade die wichtigen Absatzmärkte Deutschland, Italien, Frankreich und die USA befinden sich in der Rezession.

___ Keine Pleite- und Entlassungswelle

Dennoch rechnet Swissmem-Präsident Hans Hess nicht mit einer Pleite- und Entlassungswelle in diesem und im nächsten Quartal. "Die meisten Firmen verfügen über ein vernünftiges Liquiditätspolster." Aus Bankkreisen verlaute, dass nicht einmal 10 Prozent der Firmen bis Ende April einen Corona-Überbrückungskredit in Anspruch genommen hätten.

Die Firmen würden jetzt einmal abwarten. "Wir wissen aus heutiger Sicht nicht, wie weit es herunter geht und wann es wieder bergauf geht", sagte Hess. Unternehmen ohne Perspektive auf eine Rückkehr zu bisherigen Niveaus dürften ihren Personalbestand kürzen. "Es wird unvermeidlich zu Restrukturierungen kommen", sagte Hess.

Eine Entlassungswelle sehe er aber nicht. Die Unternehmen würden die Restrukturierungen verantwortungsvoll durchführen. Wie viele Jobs verloren gehen werden, wisse er nicht, sagte Hess.

Der Verband Angestellte Schweiz begrüsste, dass Unternehmen vor allem auf Kurzarbeit setzen würden. In diesen Betrieben dürfe es aber nicht trotzdem zu Entlassungswellen, schrieb Angestellte Schweiz in einer Stellungnahme.

___ Abschaffung der Industriezölle gefordert

Knapp die Hälfte der Firmen erwartet laut der Umfrage eine Erholung bereits ab dem Sommer. Swissmem selber zeigte sich skeptischer. Brupbacher sagte, der Verband rechne mit einer Erholung gegen Jahresschluss oder eher erst im nächsten Jahr.

Angesichts dieser besorgniserregenden Lage forderte Hess bessere Rahmenbedingungen: "Wir müssen umgehend Gegensteuer geben. Nur mit einem raschen, kontrollierten Ausstieg aus dem Lockdown und einer nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Firmen können wir das Ausmass des Einbruchs dämpfen." Mitentscheidend sei auch, wie schnell die Lockerung in den wichtigen Absatzmärkten erfolge.

Dagegen sei ein Konjunkturprogramm nutzlos, das nur im Binnenmarkt Wirkung erzielen könne, sagte Hess. Die Geschichte zeige, dass Konjunkturprogramme zu spät oder am falschen Ort wirken würden. "Viel mehr braucht die Exportindustrie mehr unternehmerischen Spielraum und eine Stützung der Innovationskraft, damit sie rasch aus der Krise finden kann."

Erneut forderte Swissmem vom Parlament die Aufhebung der Industriezölle. Diese würde jährliche Einsparungen von rund 125 Millionen Franken sowie erhebliche administrative Erleichterungen bringen. Zudem brauche es mehr Freihandelsabkommen und mehr staatliches Geld für Innovationen, sagte Hess.

jb/cf



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