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Ausblick UBS: Q4-Ergebnis von 977 Millionen US-Dollar erwartet

25.01.2021 | 15:17

Zürich (awp) - Die UBS publiziert am Dienstag, 26. Januar das Geschäftsergebnis zum vierten Quartal 2020. Zum AWP-Konsens haben insgesamt neun Analysten beigetragen.

(in Mio USD)            AWP-Konsens     Q4 2019       Q3 2020  

Geschäftsertrag            7'619         7'052         8'935   
Geschäftsaufwand           6'179         6'124         6'357  
Konzernergebnis              977           722         2'093 

Gewinn vor Steuern         1'329           928         2'578  
- GWM                        935           813         1'093 
- Investment Bank            247            32           637   


(USD)                                      2019
                  
Dividende je Aktie          0,36          0,735      

FOKUS: Das vierte Quartal dürfte aus operativer Hinsicht ein gutes gewesen sein für die UBS. Vor allem die boomenden Aktienmärkte sollten der Bank hohe Erträge eingespielt haben, zudem dprften die wegen Corona erfolgten Wertberichtigungen auf Kreditrisiken wohl deutlich geringer ausgefallen sein als etwa im ersten Halbjahr. Die Analysten der Bank Vontobel etwa erwarten, dass UBS den höchsten Vorsteuergewinn in einem vierten Quartal seit der Finanzkrise bzw. seit 2006 ausweisen wird. Die Investment Bank und Global Wealth Management dürfen dabei das höchste Wachstum des divisionalen Vorsteuergewinns erzielen, heisst es in einem Kommentar. Ähnlich sieht man das bei der ZKB. Das Ergebnis für das vierte Quartal 2020 dürfte wegen des guten Finanzmarktumfeldes in positiver Erinnerung bleiben, heisst es dort in einem Kommentar.

Zu schaffen machen der Bank allerdings die weiterhin sehr tiefen bzw. negativen Zinsen vor allem in der Schweiz und Europa. In diesem Zusammenhang ist auch die vor zwei Wochen angekündigte Senkung des Freibetrages für Negativzinsen auf noch 250'000 Franken bzw. Euro (gültig ab 1.7.) zu sehen. Die UBS hat den Schritt mit den Bedingungen auf den Geld- und Kapitalmärkten begründet, die nach wie vor sehr anspruchsvoll seien. Für Banken werde es zunehmend unmöglich, die wirtschaftlichen Folgen der negativen Zinsen zu kompensieren. Das Problem dabei sei vor allem auch, dass eine schnelle Verbesserung der Situation nicht zu erwarten ist. Es zeichne sich gar ab, dass man auf Jahre hinaus mit Negativzinsen rechnen müsse. Auch die gleichzeitig bekannt gegebene Schliessung von 44 der heute 240 Schweizer Filialen dürfte zu einem guten Teil aus Spargründen geschehen sein.

Die Quartalszahlen dürften für einmal aber weniger stark als sonst im Fokus stehen. Von grösserem Interesse ist der erste offizielle Auftritt des neuen CEO Ralph Hamers. Dieser hat den langjährigen Amtsinhaber Sergio Ermotti abgelöst und ist seit Anfang November offiziell Konzernchef. Hamers, der von der niederländischen Bank ING zur UBS kam, soll die UBS dynamischer und fit für die Zukunft machen. Er gilt vor allem auch als Spezialist für Digitalisierung. Dies ist ein Bereich, in dem die UBS - wie auch die anderen arrivierten Grossbanken - von neuen, kleinen Playern unter Druck gesetzt wird.

Hamers dürfte allerdings noch kaum grössere strategische Pflöcke einschlagen, zumal er noch nicht einmal 100 Tage im Amt ist. Hamers werde sich erst einmal mit der Bank auseinandersetzen und die Stärken und Schwächen kritisch überprüfen, sagte Verwaltungsratspräsident Axel Weber kurz vor Weihnachten dem deutschen "Manager-Magazins". Im Frühjahr werde man dann verkünden, wie die Bank weiterentwickelt werden soll. Und Weber weiter: "Wir haben ihn geholt, damit er die Entwicklung der UBS zu einer stärker digitalisierten, einer agileren Bank forciert, das wird er auch tun", so Weber wörtlich. Analysten gehen davon aus, dass mit den Zahlen zum ersten Quartal (27.4.) neue strategische Würfe präsentiert werden könnten.

Die Personalie Hamers wird allerdings überschattet von seiner Vergangenheit bei ING. Die niederländische Justiz rollt nämlich einen 2018 mit einem Vergleich beigelegten Geldwäsche-Fall während seiner Zeit als ING-Chef neu auf, wie Anfang Dezember bekannt wurde. 2018 zahlte ING zur Beilegung des Falls 775 Millionen Euro und beglich damit die grösste Geldwäschestrafe in der niederländischen Geschichte, Hamers aber kam mit einem Freispruch davon. Die Staatsanwälte kamen seinerzeit zum Schluss, dass ING die Einhaltung der Risikovorgaben zu wenig überwacht habe. Dies könne aber nicht einer bestimmten Person angelastet werden.

Der Investor Pieter Lakeman war mit dem Entscheid nicht einverstanden. Seine Beschwerde führte dazu, dass ein Berufungsgericht in Den Haag anordnete, dass Hamers Rolle neu untersucht werden müsse. Dieser Aufforderung kommt die Staatanwaltschaft nun nach, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde. Gemäss mit der Situation vertrauten Personen könnte die Untersuchung bis zu 18 Monate in Anspruch nehmen. Erst nach dieser Untersuchung stehe fest, ob Anklage erhoben werde.

Ziemlich klar ist, dass Hamers nicht haltbar wäre, sollte es zu einer Anklage kommen. Solange aber nur gegen ihn ermittelt werde, könne er wohl bleiben, meinen Beobachter. Im Verwaltungsrat soll es laut Presseberichten gar bereits Diskussionen gegeben haben, wer Hamers als Konzernchef nachfolgen könnte. Es könnte im Gremium wegen des Falls Hamers auch zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sein, heisst es. Der letzte Woche überraschend angekündigte Rücktritt von Beatrice Weder di Mauro könnte etwa ihn diese Richtung interpretiert werden.

ZIELE (Konzernstufe):

Die UBS hat vor einem Jahr ihre Ziele angepasst. Sie lauten nun für die Periode 2020 bis 2022 (auf ausgewiesener Basis) wie folgt:

Rendite des Konzerns: 12-15% auf hartem Kernkapital (RoCET1)
Kosteneffizienz: Positive Operating Leverage und 75-78% Cost-Income-Ratio
Wachstum: 10-15% Gewinnwachstum v.St. in Global Wealth Management (GWM)
Kapitalzuteilung: Bis zu einem Drittel Konzern-RWA und LRD in IB
Kapitalziele: ca. 13% harte Kernkapitalquote (CET1)
              ca. 3,7% CET1 Leverage Ratio

PRO MEMORIA:

DIVIDENDEN/AKTIENRÜCKKÄUFE: Die UBS will ab diesem Jahr in Bezug auf Kapitalrückführung an die Aktionäre wieder vermehrt auf Aktienrückkäufe statt auf Dividendenzahlungen setzen bzw. das Verhältnis ausgeglichener gestalten. Hauptgrund ist vor allem der tiefe Aktienkurs. Gemäss Angaben vom letzten Oktober hatte die UBS per Ende September 1,0 Milliarden USD für die Bardividende 2020 zurückgestellt (für Ausschüttung 2021). Zusätzlich sei im dritten Quartal eine Kapitaleinlagereserve von 1,5 Milliarden Dollar für potenzielle Aktienrückkäufe gebildet worden, hiess es. Das Management ging damals davon aus, dass die UBS ihre Aktienrückkäufe ab 2021 wieder aufnehmen kann.

Letztes Jahr betrug die auf Geheiss der Finma (wegen Corona) in zwei Teile aufgeteilte Dividende insgesamt 0,73 US-Dollar pro Aktie oder rund 2,8 Mrd US-Dollar bei einem Reingewinn von 4,3 Milliarden US-Dollar. Aktienrückkäufe wurden im Volumen von 350 Millionen Franken getätigt, wobei alle im Januar und Februar erfolgten. Nach dem Corona-Lockdown Mitte März kamen keine mehr dazu.

KAPITALQUOTEN: Die UBS will bekanntlich eine der am besten kapitalisierten Grossbanken der Welt sein. Per Ende September lag die Kernkapitalquote (CET1, vollständig umgesetzt) bei 13,5 Prozent und die entsprechende Leverage Ratio (Verschuldungsquote) bei 3,84 Prozent. Die aktuellen Werte entsprechen in etwa der UBS-eigenen Zielgrösse für die nächsten Jahre (siehe Rubrik ZIELE). Unter Ausklammerung der im dritten Quartal gebildeten Reserve für Aktienrückkäufe hätte die Kernkapitalquote gar bei 14,0 Prozent gelegen.

SNB zu Grossbanken: Die Nationalbank (SNB) prüft die hiesige Bankenwelt zwei Mal pro Jahr im Hinblick auf die Finanzstabilität des gesamten Bankensystems. Zuletzt im Dezember bezeichnete sie die Grossbanken UBS und Credit Suisse als gut aufgestellt. Ihre Verfassung erweise sich trotz des schwierigen Umfelds als robust, hiess es etwa. Zum einen habe sich die Risikolage der beiden Banken stabilisiert. Zum andern hätten sie dank ihrer diversifizierten Ertragsstruktur auch für das zweite und dritte Quartal solide Ergebnisse ausgewiesen. Die Rückstellungen für Kreditrisiken seien dabei im Vergleich zum Vorkrisenniveau zwar erhöht, jedoch im Vergleich zu internationalen Konkurrenten deutlich tiefer ausgefallen. Zudem hätten die beiden Banken im Handelsgeschäft und in der Vermögensverwaltung von der schnellen Erholung an den Finanzmärkten profitieren können.

ALTLASTEN: Die UBS hat noch immer eine längere Liste von nicht abgeschlossenen Rechtsfällen, die zum Teil viele Jahre zurückreichen. Der wichtigste ist der Frankreich-Fall. Dort wurde die grösste Schweizer Bank bekanntlich im Februar 2019 von einem Pariser Gericht zu einer Rekordbusse von 3,5 Milliarden Euro verurteilt, zudem muss sie dem französischen Staat Schadenersatz in der Höhe von 800 Millionen Euro bezahlen. Im Prozess ging es um Geldwäsche und Beihilfe zu Steuerhinterziehung. Die Bank hat dagegen Rekurs angekündigt und verlangt für sich einen Freispruch.

Der Berufungsprozess hätte eigentlich im Juni über die Bühne gehen sollen, wurde aber wegen Corona auf kommenden März (8. bis 24.) verschoben. In diesem Zusammenhang ist auch ein im September 2019 vom Kassationshof in Paris gefälltes Leiturteil von Interesse, wonach französische Gerichte Bussen wegen Steuerbetrug auf Basis der tatsächlich hinterzogenen Steuern berechnen sollen und nicht auf Basis der hinterzogenen Vermögen. Dieses Urteil des höchsten französischen Gerichts könnte für die UBS von grosser Bedeutung sein bzw. den Ausgang des Berufungsprozesses entscheidend beeinflussen. Der Fall dürfte die UBS bis zu einem letztinstanzlichen Urteil vermutlich noch mehrere Jahre beschäftigen. Die diesbezüglichen Rückstellungen wurden zuletzt mit 450 Millionen Euro (506 Mio USD) beziffert.

In den USA wartet die UBS zudem noch auf ein Urteil im Fall der sogenannten Ramsch-Hypotheken (RMBS-Papiere) aus der Zeit der Finanzkrise. Die US-Regierung hatte sich in ihrer Klage vom November 2018 nicht auf eine Entschädigungssumme festgelegt, allerdings erklärt, dass Investoren "viele Milliarden Dollar verloren haben". Es ist einer der letzten anhängigen Fälle dieser Art - zahlreiche grosse US-amerikanische und europäische Banken haben ähnliche Verfahren inzwischen beigelegt. Analysten rechnen auch hier mit möglichen Kosten für die UBS von mehreren Milliarden US-Dollar. Die CS musste erst kürzlich in diesem Zusammenhang ihre Rückstellungen deutlich erhöhen. Insgesamt waren bei der UBS per Ende September 2,00 Milliarden US-Dollar für Rechtsfälle etc. zurückgestellt,

MANAGEMENT: Neben dem Wechsel auf dem CEO-Posten wurden zuletzt weitere Veränderungen im Top-Management bekannt gegeben. So hat der Verwaltungsrat Sabine Keller-Busse, derzeit noch Chief Operating Officer (COO) der Bank, per Anfang Februar zur neuen Schweiz-Chefin ernannt. Sie ersetzt dabei Axel Lehmann, der UBS per Ende Juli verlassen wird. Dieser Wechsel kam nicht ganz so überraschend. Lehmann wurde von verschiedenen Seiten vorgeworfen, dass das Schweiz-Geschäft der UBS nicht genügend erfolgreich sei. Der UBS fehle es in der Schweiz an Dynamik, an neuen Ideen und vor allem an einer scharfen Reaktion auf die zunehmende Konkurrenz der Herausforderer wie Revolut und N26, schrieb etwa das Finanzportal Finews vor ein paar Wochen dazu. Die oben erwähnte Schliessung von Filialen und die Senkung der Freigrenze für Negativzinsen dürfte auch mit der ungenügenden Rentabilität des Schweiz-Geschäftes zusammenhängen.

AKTIENKURS: Die UBS-Aktie notiert mit aktuell 13,19 Franken (Freitag 13.45 Uhr) knapp 6 Prozent höher als Ende 2020 (CS +7%, SMI +2%). Im letzten Jahr hatte die UBS-Aktie 2,0 Prozent zugelegt.

jl/uh/gab


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