Aktien Schweiz Schluss: Klar im Minus wegen Zins- und Konjunktursorgen

18.05.2022 | 18:15

Zürich (awp) - Die Schweizer Aktienbörse hat am Mittwoch nach einem festeren Start im Verlauf die Gewinne wieder abgegeben und ist klar in die Verlustzone gerutscht. Händler machten dafür die wieder gestiegenen Sorgen, dass eine zu starke Straffung der US-Geldpolitik die Konjunktur abwürgen und dies die Weltwirtschaft beeinträchtigen könnte. Auslöser waren Worte von US-Notenbankchef Jerome Powell am Dienstag. Demnach soll die Geldpolitik solange gestrafft werden, bis die Inflation wieder im Griff ist.

Dazu kommen Befürchtungen, dass den erhofften Lockerungen in der Bekämpfung der Covidpandemie in China bald wieder Verschärfungen folgen könnten. Zudem enttäuschte nach Amazon und Walmart auch der US-Einzelhändler Target. Steigende Kosten schmälerten die Margen und die Teuerung schränke die Konsumenten zunehmend ein. Dies liess laut Händlern die Kurse an der Wall Street deutlich nachgeben. Zusätzlich drückten Kursverluste beim SMI-Schwergewicht Nestlé den hiesigen Markt. "Die Börsen stehen auf tönernen Füssen", sagte ein Händler. Den Anlegern fehle einfach das Vertrauen in eine nachhaltige Erholung. Immer mehr Marktteilnehmer seien davon überzeugt, dass der Bärenmarkt anhalten werde.

Der SMI schloss nach einem Tageshoch bei 11'783 Punkten um 1,29 Prozent niedriger auf dem Tagestief von 11'579,14 Zählern. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, fiel um 1,48 Prozent auf 1798,11 und der breite SPI um 1,44 Prozent auf 14'859,42 Zählern. Sämtliche SLI-Werte büssten an Terrain ein.

Ein Grossteil des Indexrückgangs ging zu Lasten des Nahrungsmittelschwergewichts Nestlé (-2,6%). Damit war die Nestlé-Aktie für fast zwei Drittel des SMI-Rückgangs verantwortlich.

Den prozentual stärksten Abschlag setzte es aber für Sonova (-6,1%). Der Hörgerätehersteller hatte am Vortag zwar für 2021/22 solide Zahlen vorgelegt, die Analysten aber mit der EBITA-Marge nicht überzeugen können. Zudem zählt Sonova wie Straumann (-4,5%) und Lonza (-3,3%) zu den Wachstumswerten, die sich seit einiger Zeit wie viele, an der Nasdaq gehandelte Titel im Korrekturmodus befinden.

Grössere Einbussen gab es auch für die Luxusgüterwerte. Richemont sackten um 2,4 und Swatch um 3,1 Prozent ab. Aber auch wenig konjunktursensitive Titel wie Givaudan (-2,6%) und Swisscom (-1,3%) konnten sich den Abgaben nicht entziehen.

Bei den Technologietiteln schlugen sich VAT (-1,6%) und AMS Osram (-1,4%) besser als Temenos (-3,5%). Logitech (-0,9%) erhielten eine Stütze durch eine Kaufempfehlung der UBS. Im Frühhandel hatte der Titel noch im Plus notiert.

Holcim verloren 1,3 Prozent. Ein Pariser Berufungsgericht hat die Anklage gegen den Zementkonzern wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit bestätigt. Holcim-Fusionspartner Lafarge wird vorgeworfen, er soll vor Jahren in Syrien mit der Terrorgruppe Islamischer Staat zusammengearbeitet haben und Millionen an die Terroristen bezahlt haben.

Relativ gut kamen die Aktien von ABB (-0,5%) durch den Tag. Der Industriekonzern informierte am zweiten Tag seiner Investorenveranstaltung über den Bereich Prozessautomation.

Zu den "besseren Blue Chips" zählten neben den Pharmariesen Roche (-0,3%) und Novartis (-0,5%) noch zyklische Werte wie Adecco (-0,5%) und der Versicherer Swiss Life (-0,1%). Dagegen rutschten Credit Suisse und UBS (je -0,8%), Zurich (-0,9%) und Swiss Re (-1,1%) stärker zurück.

Im breiten Markt wurden die Aktien von Dätwyler (-16,1%) nach der Senkung der Jahresziele abgestraft. Der Industriekonzern rechnet für 2022 noch mit einen Umsatz zwischen 1,15 und 1,20 Milliarden Franken. Die EBIT-Marge soll zwischen 13 und 16 Prozent liegen.

Einmal mehr gaben Zur Rose (-8,8%) markant nach. Der Handel mit den Papieren der Versandapotheke verläuft nicht selten volatil.

Die Aktien von Medmix (-4,6%) setzten den seit Montag andauernden Abwärtstrend fort. Das Unternehmen leidet darunter, dass Polen im Zusammenhang mit russischen Oligarchen Sanktionen ausgesprochen hat.

pre/jb


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