Aktien Schweiz: SMI mit massiven Verlusten - Huawei-Krise belastet

06.12.2018 | 11:40

Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Donnerstagvormittag mit massiven Verlusten und setzt damit die Entwicklung der Vortage ungebremst fortgesetzt. Der Leitindex SMI fiel bereits in der Eröffnung unter 8'900 Punkte. Im Morgenhandel ging es weiter hinab und auch die Marke von 8'800 Zählern bot keinen Widerstand. Gegenüber dem Hoch vom Montag hat der Leitindex damit inzwischen 4,4 Prozent verloren. Die Investoren würden der politischen und wirtschaftlichen Gemengelage derzeit nicht trauen und sich aus Aktien zurückziehen, hiess es im Handel.

Die Unsicherheitsfaktoren Brexit, Haushaltsstreit Italien-EU und der Handelskonflikt zwischen China und den USA bleiben weiter im Blick. Hier hat die Verhaftung der Huawei-Finanzchefin in Kanada die Furcht vor einer erneuten Eskalation geschürt. Ein weiterer Grund sind die Sorgen um den Zustand der US-Konjunktur, die am Mittwochabend mit dem Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed nicht zerstreut wurden. Mit umso grösserer Spannung wird auf die Vielzahl von US-Konjunkturzahlen am Nachmittag gewartet. Auch dort deuten die Futures auf einen schlechten Handelsstart hin, nachdem die Wall Street am Vortag wegen der Trauerfeier für den Ex-Präsidenten Bush geschlossen blieb.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert um 11 Uhr 1,96 Prozent auf 8'764,52 Punkte (Tagestief 8'758). Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI) gibt derweil 2,37 Prozent auf 1'344,68 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,96 Prozent auf 10'238,08 Punkte ab. Alle Top-30-Titel erleiden Verluste.

Zu den schwächsten Blue Chips zählen die Technologietitel AMS (-6,8%), Temenos (-5,1%) und Logitech (-3,5%). Diese Titel werden üblicherweise besonders stark vom Handelsstreit-Thema belastet.

Clariant (-5,7%) verlieren deutlich nach einer Kurszielsenkung durch die UBS. Die neuen Mittelfristziele seien ohne Portfolioverbesserungen nicht mit den kurzfristigen Wachstums- und Margenzielen vereinbar, schrieb der Analyst. Das gelte insbesondere dann, wenn sich die Endmärkte abschwächen sollten.

Deutliche Einbussen erleiden ausserdem Zykliker wie Schindler oder Dufry (je -3,3%) sowie die beiden Luxusgüterpapiere von Swatch (-2,9%) und Richemont (-3,2%).

Stark unter Druck sind auch die Finanztitel von CS, Julius Bär (je -3,8%) und UBS (-2,9%). Letztere erhält einen neuen Grossaktionär. Die US-Fondsfirma Dodge & Cox mit Sitz in San Francisco hält gemäss einer Beteiligungsmeldung der Schweizer Börse SIX einen Anteil von 3,03 Prozent.

Etwas weniger stark verlieren die Versicherungstitel Swiss Re, Swiss Life (je -1,8%) und Zürich (-1,9%). Letztere wurden von JPMorgan in einer Branchenstudie auf "Neutral" heruntergestuft. CEO Mario Greco warnt in einem Interview vor einem gewaltigen Veränderungsprozess in der Versicherungsbranche. Wer sich nicht wandle, werde schon bald um seine Existenz kämpfen.

Die defensiven SMI-Schwergewichte verlieren ebenfalls und geben dem Gesamtmarkt kaum Rückhalt. Nestlé büssen 0,9 Prozent ein, Roche 1,7 Prozent und Novartis 1,8 Prozent.

Am breiten Markt fallen die Aktien des Elektro-Komponentenherstellers Schaffner (+4,6%) nach einem guten Jahresergebnis positiv auf. Kursgewinne weisen auch Edisun Power (+4,4%), BVZ Holding (+1,9%) oder die Graubündner KB (+1,8%) auf.

Georg Fischer (-2,1%) trennt sich von zwei Eisengiessereien. Das Unternehmen verweist auf den Trend zu Leichtmetallgussteilen, etwa in der Autoindustrie. Das Unternehmen verliert damit einen Jahresumsatz von zuletzt 620 Millionen Franken. Bei den Verlierern stechen noch Meyer Burger (-8,0%) Aryzta (-5,2%) oder Implenia (-5,3%) heraus.

Das Biotechunternehmen Molecular Partners (-1,4%) hat an seinem Forschungstag in New York einen Überblick über die jüngsten Fortschritte in der Pipeline gegeben.

Die Immobiliengesellschaft Fundamenta Real Estate ist nun an der SIX notiert. Die Aktien werden zu 14,79 Franken gehandelt, nach einem gestrigen Schlusskurs an der Berner Börse BX von 14,35 Franken.

yr/tt


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