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Gewerkschaften gegen zu frühe Lockerungen

23.02.2021 | 16:15

(Zusammenfassung)

Bern (awp/sda) - Einen Tag vor dem bundesrätlichen Entscheid über Lockerungen der Corona-Massnahmen haben sich sechs Gewerkschaften gegen zu frühe Lockerungen ausgesprochen. Sie wollen, dass statt die Forderungen der Arbeitgeber wissenschaftliche Erkenntnisse als Entscheid-Grundlage dienen. Die Zahl der Neuansteckungen liegt derweil immer noch bei über 1000 pro Tag.

Weite Teile der Arbeitgeberverbände würden eine Kampagne für eine möglichst schnelle Lockerung der Massnahmen führen, schrieben sechs Gewerkschaften am Dienstag in einer Mitteilung. "Der Angriff" der Arbeitgeber auf die geltenden Massnahmen berge das Risiko einer dritten Welle. Die Mitarbeitenden gehörten geschützt, fordern der Verband des Personals öffentlicher Dienste VPOD, der Pflegeverband SBK, die Gewerkschaften Unia und Syna, die Berufsorganisationen im Gesundheitswesen SVBG und der Berufsverband der biomedizinischen Analytikerinnen und Analytiker Labmed.

Die Regierung solle sich bei ihrem Entscheid daher nicht auf diese Stimmen, sondern auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen, hiess es weiter. Einer der wichtigen Indikatoren dabei ist die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt. Diese Zahl lag gemäss den am Dienstag aktuellen Angaben am 12. Februar bei 0,92. Sie ist damit seit dem 6. Februar wieder auf das Niveau von Ende Januar gestiegen. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, muss die Reproduktionszahl kleiner als 1 sein.

Über tausend neue Ansteckungen

Die Zahl der Neuansteckungen innerhalb eines Tages lag am Dienstag bei 1131 neuen Coronavirus-Infektionen. Zudem wurden dem BAG innert 24 Stunden 14 neue Todesfälle und 43 Spitaleinweisungen gemeldet. Aus Sicht der meisten Epidemiologen sind Lockerungen erst möglich, wenn sich die Zahl der Neuansteckungen im tiefen dreistelligen Bereich befindet. Dann sei das Contact-Tracing wieder möglich.

Die Anzahl der insgesamt entdeckten Fälle mit Mutationen liegt mittlerweile bei 8366. 3122 davon entfallen auf die britische Variante, 132 auf die südafrikanische sowie sechs auf die brasilianische. 5106 Fälle konnten keiner Variante eindeutig zugewiesen werden.

Von Mutationen betroffen ist derzeit eine Schule in der Stadt Bern. Dort sind nach den Sportferien neben "gewöhnlichen Ansteckungen" auch drei Fälle von Ansteckungen mit mutierten Viren nachgewiesen worden. Im entsprechenden Schulhaus in der Berner Länggasse findet am Mittwoch eine Durchtestung bei rund 150 Personen statt. Drei Schulklassen befinden sich in Quarantäne.

Bevölkerung alle zwei Wochen testen

Um die Ausbreitung der Viren weiter zu hemmen, forderte am Dienstag die Gesundheitskommission des Ständerats (SGK-S), dass der Bundesrat prüfen soll, ob der Bund bis Ende Juni 2021 die Kosten eines vierzehntäglichen Tests pro Bewohnerin und Bewohner übernehmen kann. Zudem soll er untersuchen, ob ein digitaler "Covid-Free-"Nachweis geschaffen werden kann.

Im Kampf gegen die Pandemie gelten neben den Massnahmen und dem Testen auch die Impfungen als Hoffnungsträger. Gemäss Angaben von Dienstag wurden bis Sonntagabend 675'556 Impfdosen verabreicht, an die Kantone und an Liechtenstein ausgeliefert wurden bislang 866'425 Impfdosen. 173'407 Personen haben bereits die zweite Dosis erhalten und gelten damit vollständig geschützt.

Derweil melden erste Kantone, dass bald alle Bewohnerinnen und Bewohner ihrer Altersheime mit zwei Dosen geimpft sein werden. In St. Gallen war dies bereits Ende vergangene Woche der Fall. Bis Ende Woche soll auch im Kanton Solothurn das Impfprogramm in den Altersheimen abgeschlossen sein. Auch in den Altersheimen im Kanton Graubünden ist man demnächst soweit.


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